Jung, erfolgreich sucht …: ein Theater

Auszüge aus dem Artikel von Monika Djebbar in „Der Tagesspiegel“ vom 12.07.1998.

Die Welt von heute auf die Bühne bringen

Oliver Bukowski & Klara Höfels“Wenn einer hierher kommt und fragt: Wie ist es in den Theatern der Hauptstadt mit deutscher Gegenwartsdramatik bestellt, können alle nur mit den Schultern zucken“, sagte der Berliner Dramatiker Oliver Bukowski und zuckt mit den Schultern. Auch Karlheinz Braun, Geschäftsführer des Frankfurter Verlags der Autoren, sieht bei den deutschen Theatern ein “offensichtliches Desinteresse an neuen Autoren und neuen Stücken”. Bukowski weiß den Grund: “Mit neuen Autoren kann ein Regisseur schlecht berühmt werden.” Und was die Erfolgschancen betrifft, bergen die Stücke Unbekannter immer ein Risiko. Ein Risiko, dass angesichts der Notwendigkeit, neben der Kunst auch Kasse zu machen, nur wenige Theater eingehen. Bukowski: “Es ist kein Geheimnis, dass Texte von No-Name-Autoren, wenn überhaupt, dann nur auf Foyer-, Studio- oder Werkstatt Bühnen aufgeführt werden.“

Um die Position der Autoren zu stärken, will die Schauspielerin Klara Höfels gemeinsam mit Bukowski und Klaus Memmert, der künstlerischer Betriebsdirektor am Staatstheater Stuttgart und an der Volksbühne Berlin war, in Berlin nach dem Vorbild des Royal Court Theatre in London das erste Uraufführungstheater (UAT) Deutschlands gründen. Dort sollen nur Stücke deutschsprachiger, möglichst jüngerer Gegenwartsdramatiker auf die Bühne gebracht werden. Verwirklichet werden soll dabei auch die hierzulande bislang wenig populäre Idee, den Autor am Arbeits- und Probenprozess zu beteiligen. Ein Konzept, dass am Royal Court Theatre, wo zuletzt Autoren wie Sara Kane (“Zerbombt”) und Marc Ravenhill (“shoppen und ficken”) entdeckt wurden, erfolgreich umgesetzt wird. “Das Royal Court ist immer gerammelt voll. Internationale Verleger, Weltpresse – alle kommen nach London, um zu sehen, was das Neuste ist”, sagt Bukowski. Angestrebt wird eine enge Zusammenarbeit zwischen Autor, Regisseur und festem Ensemble, bei der der Regisseur die Arbeit nicht dominiert. “Der Regisseur betrachtet sich meist als Nabel der Welt, er stülpt sein Konzept allem anderen über. Dem wollen wir etwas entgegensetzen”, wünscht sich Klara Höfels, die am Münchener Residenztheater und dem Stuttgarter Staatstheater engagiert war und seit 1990 – auch als Theaterproduzentin – freiberuflich arbeitet.

Inzwischen haben Höfels und Bukowski mit zwei Berliner Theatern eine Kooperationsvereinbarung getroffen: die Tribüne und die Vaganten Bühne wollen dem UAT im Herbst ihre Türen für vier Produktionen öffnen. Allerdings hängt die Zukunft beider Theater, deren Subventionen zusammen gekürzt werden sollen, am seidenen Faden. Und die Finanzierung des UAT-Projekts – veranschlagt sind 500.000 Mark – ist völlig ungeklärt. Sollte der Senat, der den kleinen und mittleren Privattheatern angeraten hatte, neue Konzepte zu entwickeln, Geld geben, will auch die Hochschule der Künste bei dem Projekt dabei sein.