Gründung eines Uraufführungstheaters in Planung

Auszüge aus dem Artikel von Esther Slevogt in „die tageszeitung“ vom 07.05.1998.

Die Schauspielerin Klara Höfels will gemeinsam mit Oliver Bukowski in Berlin ein Uraufführungstheater gründen

Klara Höfels AutorentheaterFür ein Autorentheater kämpft die Schauspielerin Klara Höfels (49) schon lange. Zuerst in Stuttgart, wo sie am Staatstheater engagiert war, und zuletzt in Berlin als Mitbewerberin um das Steglitzer Schlosspark-Theater, dass dann Heribert Sasse bekam. Jetzt hat sie, die sich inzwischen zur Kulturmanagerin ausbilden ließ, sich mit dem Dramatiker Oliver Bukowski (37) zusammen getan, der zuletzt sein jüngstes Stück “Nichts Schöneres” inszenierte – eine Produktion, die auch im theater 89 zu sehen war. Zusammen mit dem Theaterverwaltungsprofi Klaus Memmert wollen Sie in Berlin ein Uraufführungstheater gründen und sind nun auf der Suche nach einer Spielstätte und 2,2 Millionen Mark, die das Theater jährlich kosten soll.

Oliver Bukowski: Wir wissen ja, wie zeitgenössische Autoren zur Zeit behandelt werden an den Theatern: meistens als Feigenblatt. Eigentlich geht es bloß immer um die große Intendanten-Inszenierung, Tschechow oder so was. Junge Autoren werden auf der Foyerbühne neben der Toilette gespielt. Von Regieassistenten inszeniert, die sich mal ausprobieren dürfen. Eigentlich brauchen wir ‘ne Quotenregelung, damit an den großen Häusern mehr Gegenwartsautoren gespielt werden. Das klappt so aber nicht. Also machen wir das jetzt selber.

Bukowski: es ist doch so, dass man im Theater so eine tradierte Dreifaltigkeit hat: von Schauspieler, Autor und Regisseur. Doch die haben eigentlich nichts miteinander zu tun. Das heißt, Regisseur und Schauspieler schon. Aber nicht der Autor. Das hat schon der Enzensberger gesagt: Der größte Außenseiter am Theater ist der Autor. Wir wollen anders arbeiten. Unsere Vorbilder sind das Royal Court Theatre oder Bush-Theatre in London.

Royal-Court? Bush-Theater?

Bukowski: Wenn man nach London fährt und sagt: Ich will das Neueste sehen, dann geht man ins Bush-Theatre oder ins Royal-Court. (Wo etwa Mark Ravenhills “Shopping and Fucking” entdeckt wurde oder Simon Bets “Goldhawk Road”, E.S.) Und so ‘ne Adresse soll das hier auch werden. Da wird der Text fertiggeschliffen auf der Bühne. Der Text wird besser, und der Autor lernt dabei. So arbeitet hier im Theater keiner, weil es eine unbekannte Größe für den Regisseur ist, wenn der Autor dabei ist. Man will den Text immer als feste Partitur behalten, an der der Regisseur lieber selbst herummacht. Wir wollen das anders machen. Am Bush-Theater oder Royal-Court, wenn da irgend ein junger Autor inszeniert wird, wird zum Beispiel ein Harold Pinter als Berater dazu geholt, und der kämpft sich mit dem Autor zusammen durch das Stück.