Bewerbung um das Schlossparktheater Berlin

Auszüge aus dem Artikel von Petra Khose in „die tageszeitung“ vom 30.06.1994.

Plausibel das Konzept – z.B. für Neukölln

Auf Wiedersehen in Neukölln

Als zukünftige Berliner Privattheaterleiterin hat die Schauspielerin und zertifizierte Kulturmanagerin Klara Höfels ein durchaus plausibles Konzept erarbeitet. Mit einem zehnköpfigen Ensemble, Haus-Regisseur und ebensolchen Ausstatter und – inklusive Leitung – zehn weiteren Personen will sie auskommen. Das ist ein übersichtliches Modell, das Theater würde auch dem deutschen Bühnenverein nicht beitreten, damit “der gesamte Theaterbetrieb den künstlerischen Interessen dient und nicht umgekehrt”.

So weit, so löblich, mit wenigen Mitteln maximale Leistung, das fordert unsere Zeit. Mit einer angenommenen Platzausnutzung von 40 % und 240 Vorstellungen im Jahr hatte sich Höfels im 450 Platzhaus Schlosspark-Theater einen Subventionsbedarf von knapp 1,2 Millionen jährlich ausgerechnet, dass ist nicht viel, freie Miete allerdings vorausgesetzt. Inhaltlich soll der Schwerpunkt auf zeitgenössischen Stücken liegen, Gad Elkarim schreibt ja selbst, und er könnte sich eine Zusammenarbeit auch beispielsweise mit Felix Mitterer vorstellen. Auch eine Art Autorentheater also, außer den Tantiemen würden die Autoren einmalig 10.000 Mark für ihre Werke erhalten – ein fester Posten im schmalen Etat.

Klara Höfels und Gad Elkarim arbeiten schon seit 1989 zusammen, zuvor war Höfels u.a. in Kiel, Frankfurt, München und Stuttgart engagiert, ein Team will expandieren, will sich verändern, erneuern. Aber auch das nur für eine begrenzte Zeit, länger als 5,6 Jahre wollen sie nicht planen. Zurück zum Thema: Sie wollen in Berlin Fuß fassen. Sie haben beispielsweise ein Auge auf das Ballhaus Rixdorf geworfen, dass am Kottbusser Damm die meiste Zeit leer steht. Der schöne Raum ist in der Verwaltung des Bundes und kann zeitweilig angemietet werden, ob sich hier eine Truppe jemals ganz niederlassen kann, steht in den Sternen.

So also sieht unsere neue Privattheater Situation aus, wenn der Haushaltsausschuss keinen Strich durch alle Rechnungen macht: Sasse ab März sicher in Steglitz, Hochhuth ganz vielleicht ab nächstem Jahr im Konrad-Wolf-Saal, und Klara Höfels hätte wirklich eine Chance verdient. Ein so schlankes Konzept mit festem Ensemble und der Orientierung auf Gegenwartsdramatik sollte sich zumindest ausprobieren dürfen.

Am besten in einem Kiez. Am allerbesten im Ballhaus Rixdorf.

von Petra Khose (die tageszeitung, 30. Juni 1994)