Bewerbung um das Kammertheater des Staatstheater Stuttgart

Auszüge aus dem Artikel von Helmut Hausschild im „Stuttgarter Journal“ Februar 1991.

Bewerbung Kammertheater Staatstheater StuttgartIn Stuttgart wollten die Schauspielerin Klara Höfels, der Schauspieler und Autor Helmut Lorin und der Regisseur Christian Achmed Gad Elkarim ein Autorentheater gründen, in dem ausschließlich die Stücke junger Dramatiker aufgeführt werden.

Sie erarbeiteten einen Konzeptions- und Finanzierungsplan für ein Autorentheater, mit dem sie sich beim Generalintendanten Wolfgang Gönnenwein des Staatstheaters Stuttgart um das Kammertheater, als Spielort für ein Autorentheater, bewarben. Das Kammertheater, wurde mit nur 15 Vorstellungen im Jahr bespielt und war den Rest der Spielzeit geschlossen. Ideale Bedingungen, das Konzept eines Autorentheaters, verwirklichen zu können. Ein halbes Jahr wollten sie dort, während der Schließtage, in Inszenierungen und Lesungen, das Projekt vorstellen.

Was die Theaterleute wollten: Junge Autoren sollten auf der Bühne des Kammertheaters ihre Stücke in Zusammenarbeit mit Regisseuren und Schauspielern uraufführen. Deren aktive Teilnahme an den Proben war Teil des Konzeptes. Autor, Regisseur und Schauspieler erarbeiten gemeinsam die Inszenierung. Es sollte Stückaufträge geben, sowie Film und Hörspielprojekte in Kooperation mit dem SDR. Ein Ensemble aus etwa zehn Schauspielern sollte aufgebaut werden. Das Autorentheater hätte als eigenständige Bühne etatmäßig unterm Dach des Staatstheaters laufen können, aus dem Gedanken heraus, kein neues Theater aufmachen zu wollen, sondern nur eines zu bespielen, das es schon gibt.

Zustimmung fanden sie bei den Mitgliedern des Theater-Verwaltungsrats, bei den Stadträten Dieter Blessing (SPD) und Claudia Hübner (CDU). Hans-Jürgen Müller Arens, Chef der Kunstabteilung im Ministerium für Wissenschaft und Kunst bekundete ebenfalls Interesse an dem Vorhaben.

Unterstützung fanden sie mit ihren Plänen, bei Presse und Öffentlichkeit, den Autoren Urs Widmer, Peter Turrini, Karlheinz Braun, Chef des Verlages der Autoren, Wilfried Minks. Mithelfen sollten auch Heiner Müller, Herbert Achternbusch, Jürgen Flimm, Thomas Langhoff und Niels-Peter Rudolph.

Für den veranschlagten Etat von 270.000 DM waren bereits Sponsoren gefunden worden. Doch während im Ministerium für Wissenschaft und Kunst die Idee positiv beurteilt wurde, ließ Wolfgang Gönnenwein die Bewerber nach anfänglichen Zusagen ohne Begründung abblitzen.

Geht Stuttgart mit dem Autotheater ein interessantes Projekt durch die Lappen? Autorentheater wäre eine interessante Alternative.
Helmut Hausschild (Stuttgarter Journal Februar 1991)